Wie jetzt.... "Datenschutz"?!?

Wirklich nett, wie www.faz.net über den neuen „Futur-Store“ der Metro Group berichtet. Sind ja auch wirklich tolle Ideen, die da für viel Geld verwirklicht werden. Zum Beispiel den schön betitelten „mobilen Einkaufsassistenten“, ein Handy, das durch Einscannen der Strichcodes Preis und andere Informationen zum Produkt liefert. Oder auch die Möglichkeit, mit dem Fingerabdruck zu bezahlen. „Wer der Metro vertraut, der kann die Rechnung künftig aber auch mit seinem Fingerabdruck begleichen. Der wird vor dem ersten Einkauf einmalig registriert und ist an die EC-Karte gekoppelt. An der Kasse wird er gescannt - und der Betrag dann vom Konto abgebucht. Auf diese Weise will man den Ablauf an den Kassen beschleunigen und Personal einsparen.“ Ebenfalls wirklich interessant ist die Radiofrequenz-Identifikation. „Die an der Ware angebrachten Spezialetiketten, die über einen Computerchip eine automatische Produkterkennung ermöglichen, kommen zunächst nur an den Kühltruhen mit Frischfleisch zum Einsatz. Der Chip speichert Informationen über das Verfallsdatum und meldet einem zentralen Computer, wenn sich ein abgelaufenes Produkt im Angebot befindet. Zudem informiert es die Metzger in der Fleischerei über den Warenbestand. So können die schnell verkauften Produkte zielgerichtet nachgefüllt und die Angebote weniger beliebter Waren zurückgefahren werden.“

Der Artikel wurde übrigens unter „Neue Technologien“ eingeordnet. Trotz meines Wesens als Technikmuffel kann ich in gewisser Weise die Faszination verstehen, die davon ausgeht. Was allerdings nun nicht in meinen Kopf will, ist diese einseitige Darstellung. Irgendwie hätte ich ja wenigstens ein klitzekleines Statement zum Thema Datenschutz von der Metro Group erwartet. Oder etwas von der faz. Entweder ein zu großes oder ein zu kleines Thema, wenn es gar nicht erwähnt wird, vermute ich mal. Und ich vermute weiter und tippe auf ersteres. Im Grunde ist das System nichts anderes als die Pay-Back-Karten, die einem doch tatsächlich immer noch angedreht werden wollen, wenn man in einer Drogerie eine Packung Taschentücher kauft. Wer wann wo was kauft kann so ohne Probleme überwacht und auf unbestimmte Zeit gespeichert werden.

Die Autorin Jessica Williams beschrieb die Zustände in den USA 2006 folgendermaßen: „In den Vereinigten Staaten von Amerika wird die Masse an gespeicherten Informationen allein durch die Größe einiger Unternehmen noch unfassbarer. Die Wal-Mart-Kette berichtet von 460 Terabyte an Daten auf ihren Computern - (...) mehr als das Doppelte der gesamten Information im Internet.“ Was das in ungünstigen Situationen bedeuten kann? Hierzu wieder Williams: „In einem Fall verwendete ein Supermarkt Kassenbons, um eine Klage wegen fahrlässiger Körperverletzung abzuweisen: Der Kläger behauptete, er sei auf verschüttetem Joghurt ausgerutscht, der Laden wollte beweisen, dass der Kontrahent Alkoholiker war, und legte seine Wein- und Spirituosenkäufe offen.“

Eine weitere nette Geschichte ist die von der amerikanischen Lebensmittel-Kette, die nach den Anschlägen vom 11.September ihre Kundendaten an das FBI weitergab. „Den Kunden wurde nie gesagt, dass Informationen über sie an die Regierung weitergegeben worden waren.“

Internationale Wettbewerber wie Walmart, Tesco oder Carrefour arbeiten ebenfalls mit Hochdruck am Einsatz der RFID-Technologie, um ihre logistischen Arbeitsabläufe zu optimieren. Auch bei der Kölner Rewe-Gruppe hat die Nutzung der RFID-Technik in den Wareneingangs-, Einlagerungs-, Kommissionierungs- und Warenausgangsprozessen das Laborstadium längst verlassen. Da die beiden deutschen Handelsriesen beispielsweise bei Konsumgütern wie Wasch- und Kosmetikartikeln ihre Ware von den identischen Lieferanten beziehen, arbeiten sie bei dieser Technik konstruktiv zusammen. Denn Ziel ist, einheitliche Standards zu erreichen.“ Einheitliche Standards? Möchte jemand ein paar Vorschläge liefern, wie lang es seiner Meinung nach noch möglich ist, der breitgefächerten und lückenlosen Konsumerfassung zu entgehen?

alle kursiv gesetzten Zitate aus http://www.faz.net/s/RubD16E1F55D21144C4AE3F9DDF52B6E1D9/Doc~E326C4AD32E2347088AA5ABA7B6E9ECB0~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Zitate von Jessica Williams aus "50 Fakten, die die Welt verändern sollten"

1 Kommentar 1.6.08 05:04, kommentieren

Bild.de mag Briten nicht

Heute schreibt Bild.de ganz groß auf der Startseite "Zu viele Deutsche im Hotel - Brite kriegt Schadensersatz". Der dazugehörige Artikel wurde mit "GEHT`S NOCH?" dekoriert und die Retourkutsche von Bild.de sogar zweisprachig über den eigentlichen Text eingebracht: "Liebe Tommies, ihr wollt nicht mit uns Urlaub machen? Kein Problem. Wir spielen diesen Sommer ohne euch Fussball..."

 Ich musste zuerst ein wenig grinsen, habe gedacht, Bild.de will sarkastisch sein. Dieser dumme Gedanke entschwand aber auch gleich wieder, denn ein Format von Bild.de kann nicht sarkastisch sein, allein schon, weil es sich selbst viel zu ernst nimmt.

Der Fall des Briten wird mit kleinen Schönheitsfehlern geschildert, soll heißen, einige Fakten werden weggelassen, aber das kennt man von Bild.de ja schon. Das Zitat des Briten "Schon bei der Ankunft habe er Verdacht geschöpft, weil auf allen leeren Sonnenliegen Handtücher lagen, sagte Barnish." halte ich persönlich für erfunden. Wer sich für den Fall interessiert, lese doch bitte bei http://www.spiegel.de/reise/europa/0,1518,556909,00.html oder http://www.faz.net/s/Rub501F42F1AA064C4CB17DF1C38AC00196/Doc~EC2D7A87DBCD347A6AE673F5B624177C4~ATpl~Ecommon~Scontent.html nach.

Nun zum eigentlichen Problem. Bild.de beschreibt in einer kleinen Slideshow die Briten, als würden sie ein Bilderbuchbeispiel für Volkshetze geben wollen. Ich versuche mal, Bild.de eines besseren zu belehren.

Grund 1, warum wir die Briten angeblich nicht leiden können: 

"Knallrotes Gesicht, wabblig-weiße Bierbäuche, raspelkurze Haare – der britische Standardtourist ist meilenweit zu erkennen und wahrlich kein schöner Anblick. Wenigstens die richtige Anwendung der Sonnencreme könntet ihr doch lernen..."    Soso. Der britische Standardtourist scheint sich mit dem gängigen, satirischen Bild eines deutschen Standardtouristen zu decken. Zufall oder hat da jemand bei Bild.de nicht ganz aufgepasst? Zuerst wollte ich nun einige Links hier reinsetzen, aber ich denke, jedem fallen allein genug gutaussehende Briten ein, die ihr Aussehen auch als Touristen nicht an den gängigen Bild.de-Vorstellungen anpassen.

Grund 2, warum wir die Briten angeblich nicht leiden können:

"Saufen, grölen, pöbeln – wer das Pech hat, in einer britischen Urlaubshochburg zu landen, wähnt sich schnell in der Hölle. Kein Wunder, dass das Wort Koma-Saufen vom englischen „Binge-Drinking“ kommt. Das Saufen bis zum Umfallen ist eindeutig eine britische „Erfindung“." Stimmt. Wenn es die Engländer nicht geben würde, wäre NIEMALS irgendjemand auf die Idee gekommen, mehr als das vom Arzt empfohlene Glas Wein zu trinken.

Grund 3, warum wir die Briten angeblich nicht leiden können:

Faul liegt der Brite auf seiner Sonnenliege – bloß nicht aufstehen, dann könnte der Platz weg sein. Sportlich ist ja eh nichts mit euch los – ihr könnt ja nicht einmal Elfmeterschießen. Also, da es sich um Urlauber handelt, würde ich niemanden den Vorwurf machen, wenn jemand seine Ferien einfach nur auf einer Sonnenliege verbringen will. Und, liebe Bild.de-Schreiberlinge, zum Thema sportlich ist mit denen nichts los.... 2012 wird London die erste Stadt sein, die zum dritten Mal Olympische Sommerspiele austrägt. (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Olympische_Geschichte_des_Vereinigten_K%C3%B6nigreichs)

 Grund 4, warum wir die Briten angeblich nicht leiden können:

"Hotels, die sich an ihren britischen Gästen orientieren, stellen auch gern die Küche darauf ein. Für Gäste anderer Nationen eine Zumutung! Minzsoße, Würstchen zum Frühstück, Kidneys (Nierchen) als Nachtisch? Bah..." Jaja... schade, dass nicht alle Hotels der Welt eine Liste mit den Lieblingsgerichten der Bild.de-Mitarbeiter rumzuliegen haben, das wäre keine Zumutung... im Übrigen kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass es 1. britische Vegetarier gibt, die sich über ein derartiges Angebot mindestens genauso ärgern wie Bild.de, 2. Würstchen nicht zwingend ein Standartelement eines englischen Frühstücks sein müssen und 3. Nieren auch in Deutschland bei fast jeder Fleischerei gekauft werden, aber das sind dann wahrscheinlich auch wieder nur die Briten, die hier Urlaub machen, nicht wahr, Bild.de?

Grund 5, warum wir die Briten angeblich nicht leiden können:

"Britische Modehersteller müssen rar sein – oder warum tragt ihr im Urlaub immer Fußballtrikots? Am Stolz auf die Nationalmannschaft kann es ja wohl nicht liegen.." Nun ja. Für mich persönlich, vollkommen uninteressiert an Modedesignern, war es nun schwer, viele Namen aus dem Hut zu zaubern, die das widerlegen. Aber um zumindest ein paar bekannte Namen zu nennen: Jimmy Choo, Christopher Bailey, John Galliano, Alexander McQueen und Vivienne Westwood. Die anderen vielen, vielen englischen Designer entschuldigen bitte meine Unwissenheit und melden sich am besten persönlich bei Bild.de.

 Grund 6, warum wir die Briten angeblich nicht leiden können:

"Auch wenn sie furchtbar aussieht – lasst die Kleidung bitte an. Briten neigen dazu, sich zu später Stunde und mit steigendem Alkoholpegel in der Öffentlichkeit nackig zu machen. Oft kein schöner Anblick, auch nicht in der Disco..." Aber Bild.de! Woher sollt ihr denn sonst das Material eurer mit "Busen-Blitzer" überschriebenen Artikel herbekommen, die ihr so gern veröffentlicht? Schreit das mal lieber nicht zu laut von den Dächern, sonst wäre sowas: http://www.bild.de/BILD/leute/society/2008/05/17/angelina-jolie/busenblitzer-in-cannes,geo=4561154.html nicht mehr möglich und das wäre doch ein großer quantitativer Verlust für die Seite. Oder ist das etwa tatsächlich nur auf die Briten bezogen und eure Moralkeule reicht nicht über die Vereinigten Königreiche hinaus?

Grund 7, warum wir die Briten angeblich nicht leiden können:

"„Krauts“, „Hunnen“, „Fritz“ – nicht nett, was wir uns alles so von euch anhören müssen. Dabei wollen wir doch eigentlich nur eines: Uns endlich mit euch vertragen, damit auch am Urlaubsort Frieden einkehrt!" Stimmt, die sind aber auch immer gemein zu den armen, armen Deutschen! Gut, dass es Formate wie Bild.de gibt, die das mal sagen und mit ihren Artikeln auch gleich versuchen, den Konflikt zu schlichten. Niemals würde hier in Deutschland jemand auf die Idee kommen britische Touristen zu stereotypisieren und sie auf ihr Aussehen und ihre Essgewohnheiten reduzieren.

alle kursiv gesetzten Zitate von ttp://www.bild.de/BILD/lifestyle/reise/2008/05/brite-bekommt-schadenersatz/wegen-deutscher-im-hotel,geo=4701818.html

1 Kommentar 31.5.08 18:45, kommentieren


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